Gewerbliche Einkünfte oder doch Freiberufler?

 

 

Gewerbebetrieb oder Freiberufler – das ist nicht nur eine Statusfrage. Die Antwort hat entscheidende steuerliche Konsequenzen. Auch wenn Gewerbetreibende die von ihnen gezahlte Gewerbesteuer auf ihre Einkommensteuerzahlungen angerechnet bekommen, kommt es in vielen Fällen zu einer steuerlichen Mehrbelastung gegenüber freiberuflich tätigen Steuerpflichtigen. Diese höhere Belastung entsteht in der Regel dann, wenn der Hebesatz zur Gewerbesteuer über 400 Prozent steigt.

Doch wer führt einen Gewerbebetrieb und wer ist Freiberufler? Gewerbliche Einkünfte erzielt, wer eine Tätigkeit selbständig und nachhaltig mit einer gewissen Gewinnerzielungsabsicht am Markt ausübt. Diese Tätigkeit darf dabei keine Tätigkeit der Land- und Forstwirtschaft und keine freiberufliche Tätigkeit sein. Die Abgrenzung zur Land- und Forstwirtschaft mag noch relativ einfach sein. Schwieriger wird es mit der Abgrenzung zu den Freiberuflern. An die Anerkennung einer freiberuflichen Tätigkeit sind hohe Maßstäbe gesetzt. Freiberufliche Tätigkeiten werden auf den Gebieten der Wissenschaft, der Kunst und Kultur, der Lehre und Erziehung ausgeübt. Zudem werden Tätigkeiten im Rahmen der namentlich genannten 23 Katalogberufe, wie Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte und Notare freiberuflich ausgeübt. Mit dem Wandel und der Spezialisierung der Berufsbilder können auch den Katalogberufen ähnliche Tätigkeiten als freiberufliche Tätigkeiten anerkannt werden. Hier wird die Abgrenzung noch schwieriger und so müssen sich die Richter des Bundesfinanzhofes immer wieder mit der Frage Gewerbebetrieb oder freiberufliche Tätigkeit auseinandersetzen.

In zwei aktuellen Urteilen beschäftigten sich die obersten Bundesfinanzrichter mit dem Beruf des Rentenberaters. Rentenberater ist eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Der Inhaber einer solchen Berufsbezeichnung darf aufgrund einer besonderen Sachkunde unabhängige Rechtsberatung auf dem Gebiet des Sozialrechts und weiterer Rechtsgebiete anbieten. Ein beruflicher Abschluss als Rechtsanwalt ist dafür nicht notwendig. Zu den Katalogberufen des Einkommensteuergesetzes gehört der Rentenberater jedoch nicht und er ist auch nicht dem Katalogberuf eines Rechtsanwalts oder Steuerberaters ähnlich. Zur Ähnlichkeit eines Katalogberufs gehört neben einer vergleichbaren Ausbildung auch eine vergleichbare Zulassung und Tätigkeit. Daran fehlte es den Bundesfinanzrichtern. Die beiden klagenden Rentenberaterinnen waren als solche zwar im Rechtsdienstleistungsregister registriert, verfügten aber nicht über eine Zulassung als Rechtsanwältin oder Steuerberaterin. Der Bundesfinanzhof (BFH) gewährte daher nicht die Anerkennung ihrer Tätigkeit als freiberufliche, einem Rechtsanwalt oder Steuerberater ähnliche Beratungsleistung.

Anders beurteilten die Bundesfinanzrichter dagegen die Tätigkeit der Heileurythmisten. Bei ihnen erkannte der BFH die Ausbildung und Tätigkeit als vergleichbar mit dem Katalogberuf des Krankengymnasten/ Physiotherapeuten an. Die Anerkennung als Freiberufler darf dem Heileurythmisten zumindest dann nicht verwehrt werden, wenn dieser im Berufsverband der Heileurythmisten organisiert ist und er aufgrund eines integrierten Versorgungsauftrags, der zwischen dem Berufsverband der Heileurythmisten und einer gesetzlichen Krankenkasse abgeschlossen wurde, tätig wird.

Doch auch wenn ein sogenannter Katalogberuf ausgeübt wird, kann es sich um einen Gewerbebetrieb handeln. Dies liegt immer dann vor, wenn die freiberufliche Tätigkeit nicht mehr selbst ausgeführt wird. Freiberufler müssen zwar nicht immer nur allein tätig werden. Auch sie dürfen mit fachkundigen Personal arbeiten. Allerdings muss stets eine umfassende Kontrolle des Personals und die finale Freigabe der abrechenbaren Tätigkeiten durch den freiberuflichen Unternehmer gewährleistet sein. Daran mangelte es einer Personengesellschaft mit zwei Prüfingenieuren als Gesellschafter und mehreren angestellten Prüfingenieuren. Rund 80 % der im Streitjahr durchgeführten Hauptuntersuchungen wurden durch die angestellten Ingenieure völlig eigenständig ausgeführt. Damit war die Freiberuflichkeit der beiden Gesellschafter nicht mehr gegeben. Die GbR erzielte Einkünfte aus Gewerbebetrieb und war gewerbesteuerpflichtig, wobei ihr ein steuerfreier Gewerbeertrag von 24.500 Euro zusteht. Die fehlende konkrete Mitarbeit des Freiberuflers ist z.B. auch bei Laborärzten zu beobachten.

(Stand: 26.08.2019)

 

Standortsuche

 

suchen

Online-Beratung

Sie sind schon Mandant?

Anmelden
Mandantenportal

Passwort vergessen?

fastviewer

fastviewer

Download für Windows | Mac

Wir verwenden Cookies

Entscheiden Sie selbst, ob diese Website neben funktionell zum Betrieb der Website erforderlichen Cookies auch Betreiber-Cookies sowie Cookies für Tracking und Targeting verwenden darf. Weitere Details finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Einstellungen individuell anpassen Einstellungen jetzt speichern Alle Cookies zulassen und speichern
x