Wetterextreme belasten Gewerbetreibende, Selbständige, Land- und Forstwirte

Finanzämter stellen steuerliche Hilfsmaßnahmen bereit

 

Ob das verheerenden Sturmtief Friederike im Januar 2018, die sintflutartigen Regenfälle im Mai und Juni diesen Jahres oder die aktuelle Hitzewelle auf den Klimawandel zurückzuführen sind, ist geschädigten Unternehmen und Privatpersonen komplett egal. Sie kämpfen mit den materiellen und finanziellen Folgen dieser Wetterkatastrophen.

Auch wenn die Ernte auf den Feldern gerade erst bekommen, verbleibt den Landwirten auf einigen Feldern wenig bis gar nichts zum Ernten. Doch keine Ernte bedeutet: Kein Verkauf und keine Einnahmen. Damit werden oftmals die finanziellen Mittel fehlen, um allen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Doch die Gläubiger warten auf ihr Geld. Und am 10. September 2018 sind die Vorauszahlung zur Einkommen- und Körperschaftsteuer für das III. Quartal 2018 fällig. Woher nehmen wenn nicht stehlen? mag jetzt so mancher Unternehmer denken. In Niedersachsen sind die Finanzbeamten bereits von ihrem obersten Dienstherrn aufgefordert worden, mit Augenmaß und Sachkunde die gegebenen Ermessensspielräume einzusetzen, wenn Steuerpflichtige wegen zu erwartender Ernteausfälle Anträge auf Billigkeitsmaßnahmen (z. B. Stundungs- und Ratenzahlungspläne, Vollstreckungsaufschub, Anpassung der Vorauszahlungen) stellen. Doch Augenmaß allein reicht nicht, um eine brauchbare Lösung zu finden.

Frühzeitiger Kontakt zum Finanzamt ermöglicht Billigkeitsmaßnahmen
Grundsätzlich sollten Steuerpflichtige, die in eine finanzielle Notlage geraten sind, frühzeitig den Kontakt zu ihrem jeweiligen Finanzamt suchen. Ob schriftlich oder mündlich im direkten Gespräch mit den verantwortlichen Finanzbeamten muss der Antrag auf eine Anpassung der Vorauszahlungen vom Steuerpflichtigen gestellt werden. Gleiches gilt für Anträge auf mögliche Billigkeitsmaßnahmen, wie Anträge auf Stundung oder Vollstreckungsaufschub.

Es ist ratsam, nicht nur in Niedersachsen den Kontakt zum Finanzamt zu suchen, denn angesichts der anhaltenden Hitze und Dürre werden in vielen Bundesländern mehr oder weniger große Ernteausfälle erwartet. Betroffene Landwirte sollten daher auch in anderen Bundesländern bei den zuständigen Finanzbehörden nachfragen. Sprechen Sie dazu auch mit Ihrem Steuerberater.

Doch nicht nur die Trockenheit auf den Feldern macht den Unternehmen zu schaffen. Auch die sintflutartigen Regenfälle im Mai und Juni dieses Jahres haben in Hessen und Rheinland-Pfalz erhebliche Schäden angerichtet. Überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller und zerstörte Häuser veranlassten die Finanzverwaltungen der beiden Bundesländer zum Erlass steuerlicher Hilfsmaßnahmen. Noch bis zum 30. Oktober 2018 können Steuerpflichtige in Hessen, die unmittelbar im nicht unerheblichen Maße von den Regenmassen betroffen waren, Anträge auf Stundung der fälligen oder bis Oktober 2018 fällig werdenden Steuern stellen. Waren Vollstreckungsschuldner von den Unwettern im Mai/Juni betroffen, so ist die Finanzverwaltung angehalten, einen Vollstreckungsaufschub zu gewähren. Daneben werden umfangreiche Abschreibungserleichterungen für Ersatzbeschaffung aber auch Sonderabschreibungen für den Wiederaufbau von Betriebsgebäuden gewährt. Unter bestimmten Umständen dürfen auf Antrag Rücklagen für Ersatzbeschaffung gebildet werden. Jedoch darf die Rücklagenbildung gemeinsam mit den in Anspruch genommenen Sonderabschreibungen den Betrag von 600.000 Euro nicht übersteigen und die daraus resultierende Gewinnminderung darf den Wert von 200.000 Euro pro Jahr nicht übersteigen.

Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung können außergewöhnliche Belastung sein
Neben den von den Unwettern betroffenen Unternehmern können auch Arbeitnehmer und andere Privatpersonen steuerliche Erleichterungen vom Finanzamt erhalten. So können notwendige Aufwendungen für die Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung und für die Beseitigung von Schäden an dem eigengenutzten Wohneigentum als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Damit sich die Berücksichtigung nicht erst im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung auswirkt, haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, die abziehbaren Aufwendungen auch schon im Rahmen des Lohnsteuerabzugs als einen vom Arbeitslohn abzuziehenden Freibetrag berücksichtigen zu lassen.

Arbeitgeber kann steuerfreie Beihilfen zahlen
Wenn Arbeitnehmer existenzielle Sorgen haben, sind sie oft nicht voll einsatzfähig. Deshalb möchte so mancher Arbeitgeber die Not seiner betroffenen Arbeitnehmer lindern und sie finanziell unterstützen. Dabei sind Beträge bis 600 Euro pro Jahr steuerfreier Arbeitslohn. Da es sich um einen besonderen Notfall handelt, dürfen Arbeitgeber auch darüber hinausgehende Zahlungen an ihre unmittelbar betroffenen Arbeitnehmer gewähren. Diese Beträge gehören nicht zum Arbeitslohn.

Vereinfachter Spendennachweis für Zahlungen auf Sonderkonten der Katastrophenhilfe
Zur Unterstützung der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung mit den unmittelbar Betroffenen wird der strenge Spendennachweis gelockert. Danach reicht die Buchungsbestätigung oder der PC-Ausdruck beim Online-Banking für den vereinfachten Spendennachweis aus. Dies gilt für Spenden, die bis zum 30. Oktober 2018 zur Hilfe in Katastrophenfällen auf ein speziell eingerichtetes Sonderkonto eingezahlt werden

Notwendige Anträge in Rheinland-Pfalz bis 30. September 2018
In Rheinland-Pfalz gelten ähnliche steuerliche Hilfsmaßnahmen. Jedoch sollten betroffene Steuerpflichtige ihre Anträge bereits bis zum 30. September 2018 und damit einen Monat früher als in Hessen beim Finanzamt gestellt haben.

Hinweis
Egal welche Naturkatastrophen uns noch heimsuchen, es wird Betroffenen immer empfohlen, sich wegen möglicher steuerlicher Hilfsmaßnahmen mit dem zuständigen Finanzamt in Verbindung zu setzen. Anträge auf Stundung der Gewerbesteuer oder Stundung/Erlass der Grundsteuer sind an die jeweilige Gemeinde zu stellen.

(Stand: 30.07.2018)

 

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